You are here
- Willkommen
- Gesundheit interessiert ALLE
- Richtig Essen bei Brustkrebs
- ... während der Chemotherapie
Ein maßgeschneidertes Essen kann mögliche Nebenwirkungen mildern
Die gefürchteten Nebenwirkungen gehen nicht automatisch mit einer Chemotherapie einher. Besonders in den letzten Jahren wurden Medikamente entwickelt, die diese Nebenwirkungen verhindern können. Ihr behandelnder Arzt wird sie vorbeugend verordnen.
Moderne Chemotherapie-Substanzen sind so entwickelt, dass sie möglichst nebenwirkungsarm sind. Allen gemeinsam ist aber - und das ist der heilende Effekt - dass sie die Zellteilung von Tumorzellen, aber auch von gesunden Zellen hemmen.
Durch die Therapie-Intervalle hat das gesunde Gewebe jedoch Zeit sich wieder zu erholen.
Nebenwirkungen nach einer Chemotherapie können an jenen Organen auftreten, die sich oft erneuern: z.B. Mundschleimhaut, Magen- und Darmschleimhaut. Nägel wachsen langsamer, Haarsubstanz wird kurzfristig nicht gebildet. Es entsteht gewissermaßen ein Loch im Haar, sichtbare Folge ist der Haarausfall.
Auf keinen Fall werden durch die Chemotherapie die Haarwurzeln zerstört! Die Haare wachsen in jedem Fall nach!
Entzündung der Mundschleimhaut
Das Ausmaß der Mundschleimhautentzündung kann sehr unterschiedlich sein. Die schmerzhafte Akutphase, in welcher Schmerzmittel eingenommen werden, dauert meist nur zwei bis drei Tage. Neben den vom Arzt verordneten Medikamenten eignen sich zur Schmerzlinderung auch selbstgemachte Eiswürfel aus Salbeitee. Eventuell leicht mit Honig gesüßt. Wählen Sie kleine Eiswürfel-Formen. Große, zerhackte Eiswürfel haben scharfe Kanten und können die empfindliche Mundschleimhaut verletzen.
- Empfehlenswert sind alle „schluckfreundlichen“, milden Gerichte.
- Lassen Sie in dieser Zeit Scharfes und Saures weg. Knusprige Semmeln oder Paniertes sind für die empfindliche, neu gebildete Mundschleimhaut zu hart.
- Wählen Sie die Rezepte ganz nach ihrem persönlichen Heilungsprozess aus.
- Es kann durchaus sein, dass Sie vorübergehend nur Flüssiges zu sich nehmen können und Ihren Tagesbedarf mit nahrhaften Drinks (Karotten-Joghurt-Drink, Bananen-Nuss-Milch) und Suppen (Lauch-Kartoffel-Creme-Suppe) bestreiten.
- Aber bald können Sie wieder weiche Spinat-Gnocchi oder einen Topfenauflauf mit Kirschen essen.
Veränderung des Geschmackempfindens
Während der Chemotherapie kann sich vorübergehend das Geschmacksempfinden ändern. Manchmal ist bitter nicht mehr bitter und eine milde Suppe schmeckt extrem salzig. Süßes, besonders wenn Süßstoff im Spiel ist, kann als unerträglich empfunden werden. Schuld daran ist eine Nervenstörung an den Geschmacksknospen, die auf der Zunge liegen. Dieses veränderte Geschmacksempfinden beeinträchtigt auch den Appetit.
Lust aufs Essen beginnt im Kopf. Wir erwarten, schon bevor wir das Essen sehen, einen bestimmten Geschmack. Wenn das geliebte Schnitzel plötzlich nach Stroh und die Sahnetorte nur noch künstlich schmeckt, bekommen viele Patienten Panik und haben Angst.
Sie müssen nicht befürchten, dass die Lust am Essen für immer vorbei ist. Die Geschmacksveränderungen nehmen allmählich nach Ende der Chemotherapie wieder ab.
Während der Chemotherapie werden Sie neue Geschmacksrichtungen entdecken und Ihre Essvorlieben ändern sich. Erfahrungsgemäß zum Gesünderen.
- Auch wenn Sie ein richtiger „Fleischtiger“ sind - lassen Sie es zu, dass Sie plötzlich ein großes Verlangen nach frischem Obst und Gemüse entwickeln. Schon deren Duft weckt jetzt Ihren Appetit.
- Vielen Patienten schmecken jetzt feinst geriebene Rohkostsalate mit Gurken-Rahm- Dressing. Würzen Sie üppig mit frischen Kräutern, magenfreundlichem Ingwer, appetitanregendem Muskat und fein geriebener Zitronenschale.
- Die neuen Essvorlieben bedeuten meist auch ein Umdenken für die Köchin oder den Koch zu Hause. Bleiben Sie gelassen und sprechen Sie mit den Menschen, die Ihnen nahestehen über Ihre neuen Essbedürfnisse. Die Rezepte in unserer Sammlung eignen sich vorzüglich zum gemeinsamen, genüsslichen Essen – und schmecken auch noch nach der Therapie.
Sättigungsgefühl und Appetitlosigkeit
Während der Chemotherapie sind Sie mit Ihren geänderten Essgewohnheiten nicht allein. Etwa 60 % aller Patientinnen durchlaufen Phasen mit wenig Appetit. Manchmal sind auch Begleiterkrankungen, wie Gastritis oder Depressionen, die Ursache von Appetitlosigkeit und müssen medikamentös behandelt werden.
Wecken Sie den Appetit aufs Essen:
- Der frische Geruch von fein geriebenem Gemüse und aufgeschnittenem Obst regt den Appetit an.
- Frische Kräuter mit dem belebenden Duft ihrer ätherischen Öle machen Lust aufs Essen.
- Der Duft von Zitronenaroma (durch mitgekochte oder fein geriebene Zitronenschale) lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen.
- Das Essen muss - ohne viel zu kauen - leicht zu schlucken sein.
- Cremige Suppen, gehaltvolle Süßspeisen und nahrhafte Drinks schlucken sich leicht und versorgen den Körper mit den notwendigen Aufbaustoffen.
- Lassen Sie das Fleisch weg! Fleisch ist ein Appetitverderber, denn es muss ausgiebig gekaut werden und erfahrungsgemäß verdirbt schon sein Geruch die Lust aufs Essen.
- Ein kleiner Aperitiv, z.B ein Gläschen Sherry vor dem Essen, lockt die Magensäfte und fördert so das Hungergefühl.
- Halten Sie sich nicht an feste Essenszeiten. Essen Sie so oft und wann immer Sie wollen, am besten 5 bis 7 kleine Portionen pro Tag.
- Kleine Speisen vorbereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Dann können Sie jederzeit eine Kleinigkeit essen: z.B. Topfen-Nockerln mit Erdbeersoße. Oder vermischen Sie einfach Joghurt mit Sauerrahm und Beeren. Darüber kommt ein Löffelchen Honig.
Übelkeit und Erbrechen
In den letzten Jahren wurden wirksame Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen entwickelt, darum gehen diese gefürchteten Nebenwirkungen nicht automatisch mit der Chemotherapie einher.
Zur Vorbeugung wird der behandelnde Arzt Ihnen diese Medikamente verordnen. Trotzdem kann abhängig von Ihrer individuellen Empfindlichkeit auch noch Tage nach der Chemotherapie Übelkeit auftreten, die sich bis zum Erbrechen steigern kann. In diesen Fällen müssen die oben beschriebenen Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Die richtige Ernährung kann die Übelkeit lindern.
- Besonders geeignet ist die Klare Gemüsebrühe aus unserer Rezeptsammlung. Sie beruhigt den Magen und versorgt mit wichtigen Mineralstoffen. Schluckweise getrunken, wird sie auch bei Übelkeit gut vertragen.
- Essen Sie die Suppe langsam und in kleinsten Portionen, am besten mit dem Teelöffel. So wird der Magen nicht überfordert.
- Stark säurehaltige Drinks wie Orangen- oder sonstige Fruchtsäfte sollten Sie in dieser Phase meiden.
- Trinken Sie gegen den Durst reichlich lauwarmen Kräuter-Ingwer-Tee. Die Inhaltstoffe von Ingwer wirken direkt auf das Brechzentrum im Gehirn und beruhigen, wie Kamille, den Magen.
Nutzen Sie den Akupressurpunkt gegen die Übelkeit.
Massieren Sie mit drei Fingern die Hautzone unterhalb des Daumenballens mehrmals am Tag einige Minuten.
Durchfall
Durch die Schädigung der Darmschleimhaut kann es neben kolikartigen Schmerzen auch zu Durchfällen kommen.
In seltenen Fällen kommt es zu starken Durchfällen (mehr als 6 mal pro Tag). Wenn Sie dazu nicht ausreichend trinken können, droht Flüssigkeitsmangel und damit einhergehend eine Schädigung der Nieren. Informieren Sie Ihren Arzt. Er wird entscheiden, ob Sie Infusionen brauchen.
In leichteren Fällen können Sie durch die richtige Auswahl der Nahrungsmittel einen Mineralstoffmangel verhindern und den Durchfall in den Griff bekommen. Diese Phase dauert, genau wie die Mundschleimhautentzündung, nur zwei bis drei Tage.
- Verzichten Sie auf den Kaffee am Morgen. Er wirkt besonders stark anregend auf die Darmtätigkeit.
- Essen Sie in der Akutphase keine Lebensmittel mit hohem Ballaststoffgehalt, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, rohes Obst und Gemüse.
- Trinken Sie sehr viel. Apfelsaft, vermischt mit kohlensäurefreiem Mineralwasser oder Heidelbeerblättertee, gewährleisten eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit reichlich Mineralstoffen, besonders mit Kalium.
- Trinken Sie keine Milch, essen Sie nichts Fettes.
- Eine Karotten-Reis-Suppe lindert den Durchfall. Sie können auch gedünstete Zucchini, gekochten Spargel oder gut gekochtes Apfelkompott essen.
- Wenn der Durchfall abklingt, bieten sich fettarme Kartoffelgerichte oder ganz einfach Pellkartoffeln mit Kräuterquark an.
- Kefir und Joghurt sind in der Phase danach geeignet, um wieder eine normale Darmflora aufzubauen.
- Review period :
- 12 months
- Last reviewed :
-
25.07.2008
